I. Ehe und Kirchliche Trauung aus evangelischer Sicht



Martin Luther drückt es recht trocken aus: "Die Ehe ist ein weltlich(es) Ding". Einerseits hat er recht: "Ehe" ist eine Entscheidung, die zwei gleichberechtigte Menschen gemeinsam treffen. Sie schließen dann vor einem Standesbeamten einen Ehevertrag. Das entspricht im Wesentlichen auch der Eheschließung in biblischer Zeit, auch wenn es dort die Eltern waren, die den Vertrag schlossen. So kommen Sie als Verheiratete zur kirchlichen Trauung. Ohne Trauschein des Standesamts können Sie nicht kirchlich getraut werden.

 

Andererseits ist "Ehe" weit mehr als ein zwischenmenschlicher Vertrag. Christen glauben, dass Gott unsere Lebenswege lenkt und somit  das an alle Menschen gerichtete Wort "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Partnerin machen [geben], die um ihn sei" (1. Mo. 2,18) auch ganz individuell für zwei ganz konkrete Menschen gilt.

 

Stellvertretend für die ganze Gemeinde segnet die/der Pfarrer/in Ihren Lebensbund. Gott möge diesen begleiten und immer spürbar an Ihrer Seite sein!

 

In der kirchlichen Trauung bestätigen Christ/innen "vor Gott und der versammelten christlichen Gemeinde" mit dem gegenseitigen "Ja-Wort", dass Sie überzeugt sind, dass der jeweils andere der/die Partner/in ist, die Gott für sie/ihn ausgewählt hat und dass Sie seiner Wahl vertrauen und Ihnen sein gutes und die Ehe schützendes Gebot wichtig ist: "Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!" (Mth. 19,16). Das heißt aber nicht, dass damit einer der Partner damit einen Freibrief hat dem anderen das Leben zur Hölle zu machen. "Bevor sich zwei zerfleischen ist es besser die Verbindung zu lösen" (frei nach M. Luther).

 

In der Ehe sind beide Partner aufgerufen, sich stets mit der vorbehaltlosen Liebe zu lieben, mit der Gott uns Menschen liebt. Sie sind aufgerufen jeden Tag das "ja" der kirchlichen Trauung für sich und gegenseitig zu sprechen und dies den anderen auch spüren zu lassen.

Diese Liebe, mit der Gott uns beschenkt, sollen wir gegenseitig leben. "[Diese] Liebe ist überaus geduldig und freundlich, sie ist nicht verbissen, die Liebe macht nichts um den anderen zu ärgern, sie ist nicht eingebildet und kehrt ihre Leistungen in den Mittelpunkt oder nach außen, sie verhält sich nicht anstößig, sie sucht nicht ihren eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles." (1. Kor. 13,4-8).

Solche Liebe trägt durchs ganze (Ehe-)Leben, Hochs und Tiefs. Und mit Jesus im Boot - bei dem wir diese Liebe täglich erleben und auftanken können - kann eine lebenslange Ehe gelingen und zu einer der schönsten Erfahrungen der Welt werden.