Evangelische Stadtkirche von Rosenfeld - Interessante Artikel

Auszug aus „Geschichte der Stadt Rosenfeld“

Mit freundlicher Genehmigung der
Autorin Frau Dr. Monika Spicker-Beck

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Die Rosenfelder Stadtkirche

 

geht auf eine Marienkapelle zurück, die erstmals 1319 erwähnt ist. Dieser vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammende Bau wurde am Ende des 15. Jahrhunderts durch die heutige spätgotische Kirche ersetzt, wobei man auf ältere Bauteile aufbaute und auch die beiden Wasserspeier wiederverwendete. lm Jahr 1475 wurde die Marienglocke gegossen und ein Schlussstein mit der Jahreszahl 1496 belegt die Bauzeit der spätgotischen Vorhalle an der Westseite. Über dem Eingang zur Kirche befindet sich eine »vorreformatorische« Nische, die für eine Heiligenfigur angelegt wurde. Auf dem ehemals quadratischen Chor im Osten befand sich ein monumentaler Turm, der im

Jahr 1712 eine achteckige Aufstockung erhielt. Dabei ersetzte man das ursprüngliche Zeltdach durch eine sogenannte »welsche Haube«. lm Chor an den Ansätzen des Netzgewölbes sind schön gearbeitete spätmittelalterliche Konsolen erhalten geblieben, die singende Engel, Propheten und Wappenträger in Gestalt eines Löwen, Hirsches, eines wilden Mannes und eines Engels zeigen. Die drei Adelsgrabmäler an der Nordwand des Chores gehören Mitgliedern der Adelsfamilie von Frauenberg.

 

Die Stadtkirche Rosenfeld wurde in den Jahren 1947 – 1955 und 1985 – 1993 außen und innen vollständig renoviert. 1953 entdeckte man ein Malereifragment, das 1645 von dem Schneider Jacob Dafel und seiner Frau Madlena Scheiche, genannt Ulmerin gestiftet wurde. Leider ist dieses Fragment heute nicht mehr erhalten und lediglich noch in einer Fotografie zusehen. Auch bei der zweiten großen Restaurierung fand man Malereifragmente, die bisher von Stützbalken geschützt waren und sich deshalb erhalten hatten. Bei dem einen Fund handelt es sich um eine alttestamentarische Isaak-Opferung, beim zweiten um eine Bekehrung des Saulus aus dem Jahr 1645. In dieser Szene befindet sich Saulus auf dem Weg nach Damaskus, das bereits im Hintergrund zu sehen ist. Da erscheint ihm Christus selbst in einer Wolke, mit einem Kreuz in der Linken und erhobenem Zeigefinder der rechten Hand.  Aus der Wolke ergießt sich Feuer, Saulus stürzt vom Pferd und erblindet für drei Tage, ist damit zum Christentum bekehrt und wird »vom Christenverfolger Saulus zum Christusnachfolger«. Den Forschungen des Pfarrers Bernd Göller und der Kirchengemeinde zufolge wurde die Malerei wohl von dem 1645 amtierenden Bürgermeister und Heiligenpfleger Jerg Harttenstein gestiftet, was aus der unterhalb des Bildes befindlichen Inschrift hervorgeht.  Das 1,00 x 1,80 Meter große Bildfeld fand sich vermauert in einer Fensterlaibung und kam nach der Freilegung wie »frisch gemalt« zum Vorschein. Die Malerei lag auf einer bestehenden Farbschicht auf. Es handelt sich also um eine sogenannte Seccomalerei, die auf den trockenen Putz aufgebracht worden war und mit Bindemitteln haftete. Der Bestand wurde im ursprünglichen Zustand - wie aufgefunden - belassen, allerdings gesichert, fixiert und konserviert.


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Die Grabmale derer von Frauenberg- in der Stadtkirche


Im Chorraum der Rosenfelder Stadtkirche befinden sich drei Grabmale: das Frauengrabmal der Cäcilia von Breitenlandenberg, geb. von Hohenberg  und die Männergrabmale des Hans Konrad von Frauenberg (auf dem auch dessen Vater erwähnt ist) und des Ernst von Frauenberg.

Im Chor sowie im Langhaus der Kirche sind noch weitere Personen bestattet. Bei Grabungen 1952 anlässlich der Erstellung einer Luftheizung wurden viele Bestattungen entdeckt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war es üblich, dass die Kirche als Grablege für den Ortsadel, aber auch für angesehene Bürger diente. Die Menschen jener Zeit waren sehr besorgt um ihr Seelenheil nach dem Tode. Deshalb wollten sie an einem Ort beerdigt werden, wo sie glaubten, Gott besonders nahe zu sein. So befanden sich die ersten Friedhöfe direkt bei der Kirche und wurden Kirchhöfe genannt (wie in Täbingen und vor wenigen Jahren auch noch in  Isingen). Näher am göttlichen Geschehen war man natürlich in der Kirche. Es ist klar, dass hier der Platz für alle Gläubigen nicht ausgereicht hätte. Nur der Adel, die Geistlichkeit und  privilegierte Bürger hatten das Anrecht (vielleicht auch durch Kauf eines Platzes), im Gotteshaus bestattet zu werden. Am begehrtesten waren natürlich die Plätze im Chorraum, da dort am Altar bei jedem Gottesdienst die heilige Handlung vollzogen wurde. Der Chorraum war deshalb besonders dem Adel vorbehalten. Darauf weisen heute noch unsere drei Grabmale mit ihrer Stellung im Chor hin. Das Grabmal der Cäcilia ist in der Osterausgabe 2016 „Die neue Brücke“ besprochen worden, heute betrachten wir das Grabmal des Hans Konrad von Frauenberg.

Hans Konrad war von 1547- 1574 württembergischer Vogt in Rosenfeld und hat sich standesgemäß als geharnischten Ritter darstellen lassen, der mit beiden Füßen auf einem Löwen steht, das bedeutet, dass Hans Konrad ein tapferer und bedeutender Ritter war. Oben rechts neben Hans Konrad befindet sich sein Wappen, ein schräggeteilter Schild. Gegenüber ist das Wappen seiner Frau Agnes von Hohenberg, für sie ist kein eigenes Grabmal vorhanden, aber mit Sicherheit wurde sie ebenfalls im Kirchenraum bestattet. Am oberen Rand des Grabmals lesen wir: TUM AETERNA LUCE FRUANTUR (d.h. „Dann werden sie das ewige Licht genießen“); darunter steht geschrieben:  OBIIT PATER ANNO 1531 und OBIIT FILIUS ANNO. Hans Konrad hat das Todesjahr seines Vaters  Konrad, der von 1527- 1531 das Amt des Obervogtes am Schwarzwald mit Sitz in Rosenfeld innehatte, einfügen lassen, aber sein eigenes Todesjahr wurde nicht eingemeißelt. Sein Vater Konrad war mit Sophia von Rosenfeld verheiratet, der Schwester Ursulas, die ja durch die Heirat mit Ernst von Baden- Durlach zur Stammmutter des Hauses Baden wurde. Das Wappen seiner Mutter, ein doppeltürmiges Tor, ist über dem Löwenkopf zu sehen, darüber das Wappen von Neideck, Hans Konrads Urgroßmutter. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich noch die Wappen derer von Kröwelsau und von Urbach, Vorfahren  Agnes’.

Hans Konrads und Agnes’ Sohn Ernst trat am Georgstag 1574 die Nachfolge seines Vaters im Amt des Obervogtes an. Sein Grabmal steht neben dem seines Vaters, ein heraldisches Grabmal, das keine figürliche Steinmetzarbeit aufweist. In der Inschrift lesen wir: (ANNO DO)MINI 1612 DEN 7. TAG…(STARB) DER EDEL UND (GES)TRENG ERNST VON FRAUENBERG ZU ROSENFELD DEM GOTT GNEDIG SEI: CHRISTUS IST MEIN (LEBE)N UND STERBEN IST MEIN GEWINN.

Mit Ernst endet in Rosenfeld das Geschlecht derer von Frauenberg.

Wolfram Fischer
Stadtarchiv
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Das Frauengrabmal in der evangelischen Stadtkirche


Im Chorraum der Stadtkirche befindet sich das Grabmal der Cäcilia von Breitenlandenberg, geb. Nothaft zu Hohenberg. 1535 heiratete sie Christof von Breitenlandenberg zu Täbingen, der dort wohl eine gehobene Position inne hatte. Ihre Schwester Agnes war die Ehefrau des Rosenfelder Vogtes Hans Konrad von Frauenberg. Cäcilia starb am 6. Juni 1551. Ihr Schwager Vogt Hans Konrad hat ihre Beisetzung und die Aufstellung ihres Grabmals in der Rosenfelder Kirche veranlasst bzw. gebilligt. Dieses Frauengrabmal ist eines der ältesten am oberen Neckar und wird in der Fachliteratur wegen seiner qualitätvollen bildhauerischen Leistung geschätzt. Auf Cäcilias standesgemäßes Äußeres, ihre Kleidung hat der Bildhauer großen Wert gelegt. Auffallend ist die Perlenschnur, kein Rosenkranz, eher eine Gebetsschnur, an deren Ende sich ein  Medaillon mit Antoniuskreuz befindet. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Cäcilia eine „TUGENDSAM UND FROM FRAW“war, wie es im Textteil unten auf dem Grabmal geschrieben steht. Außerdem wurde der heilige Antonius bei allerlei Leiden angerufen, vor allem bei dem nach ihm benannten „Antoniusfeuer“. Dies ist eine schmerzhafte, zum Tode führende Krankheit, die durch verunreinigtes Getreide (Mutterkorn) hervorgerufen wurde. Damals kannte man weder ihre Ursache, noch gab es Medizin für diese Krankheit. Auch der Pudel zu ihren Füßen ist ein Symbol dafür, dass Cäcilia eine treue und tugendsame Ehefrau war.

Die oberen beiden Wappen bilden das Allianzwappen des Ehepaares:  heraldisch oben links ( also auf der Seite der Sakristeitür) Cäcilias Wappen derer „zu Nothaft von Hohenberg“, gegenüber das Wappen ihres Mannes derer „zu Breitenlandenberg“.Unter Cäcilias Wappen das ihrer Mutter „Sybilla von Kröwelsau“, gegenüber ihre Großmutter „Cäcilia Fetzer von Oggenhausen“, darunter die Urgroßmutter aus dem Geschlecht der „Anna von Heinrieth“ und unten links die Ururgroßmutter „Anastasia von Urbach“.

Bei diesen Wappen ist besonders bemerkenswert, dass nur weibliche Vorfahren Cäcilias ausgewählt worden sind, die mit einem „Nothaft“ verheiratet waren.

Wolfram Fischer
Stadtarchiv


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Kirche Rosenfeld

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Kirchturm Rosenfeld

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Osterschmuck durch Kinderkirche